Weißt Du, was DEINE Ziele sind?

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Gastartikel von Anke Fehring

Es war vor ungefähr 3 Jahren, als es mir auf einem Coaching-Seminar wie Schuppen von den Augen fiel. Ich war gerade dabei, mich von einer Firma, die ich selbst gegründet hatte, zu trennen, als das eine typische Muster in meinem (beruflichen) Leben plötzlich glasklar vor mir lag

Ich hatte mir schon immer gerne Ziele gesetzt. Große und kleine Ziele, von denen ich auch fast alle erreichte: Sehr gutes Abitur, Stipendium einer großen Studienstiftung, Studium im Ausland, Selbständigkeit als Kulturmanagerin, Aufbau eines Musikfestivals, Aufbau einer eigenen Firma usw usw… Klingt gut? Von wegen.

Denn von diesen ganzen Zielen, die ich erreichte, machte mich kein einziges wirklich glücklich. Kein einziges. Kein einziges! Das muss man sich mal vorstellen.

 

Die Frage ist: Warum?

Weil ich so beschäftigt damit war, „logische“, „ambitionierte“, „passende“ Ziele zu setzen, dass ich darüber vergaß, in mich hineinzuhören.

„Was motiviert MICH? Welche MEINER Bedürfnisse liegen hinter diesen Zielen? Warum möchte ICH dieses Ziel erreichen? Was gibt MIR das?“

Als ich mich endlich all diesen Fragen stellte, begegnete mir ein Persönlichkeitsmodell: das Enneagramm. Das Spannende an diesem Modell ist, dass es neun verschiedene Typen aufzeigt. In jedem von uns steckt einer dieser Typen mit einer Brille auf der Nase, durch die wir die Welt und vor allem uns selbst sehen und beurteilen. Diese Strukturen sind automatisiert und führen uns Jahr für Jahr weiter weg von uns selbst. Von dem, was UNS wirklich wichtig ist.

Es würde den Rahmen dieses Blogposts leider sprengen, alle neun Typen des Enneagramms genau zu erläutern. Stattdessen möchte ich hier vier Beispiele nennen.

 

Welche Motive führen Menschen in die Selbständigkeit?

In jedem der folgenden Beispiele lasse ich einen Typen über seinen Schritt in die Selbständigkeit sprechen. Hören wir mal rein…

 

TYP 1 („Der Perfektionist“)

„Ich habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst. Ich weiß aber auch, dass ich noch besser sein könnte. Vielleicht kann ich in einer Selbständigkeit meinen Ansprüchen an mich selbst noch gerechter werden als in meinem bisherigen Job. Vielleicht kann ich noch mehr aus mir machen. Meine Disziplin wird mir als Selbständiger entgegenkommen. Hoffentlich reicht sie aus.“

 

TYP 3 („Der Macher“)

„Ich werde gerne anerkannt für das, was ich leiste. Ich leiste sehr viel und sehr gerne – mehr als die meisten anderen. Ich habe enormes Potential, das ich für maximalen Output einsetzen möchte. Und ich freue mich, wenn ich für diesen Erfolg positives Feedback bekomme. Ich weiß, dass ich mein Potential als Selbständiger noch besser entfalten kann. Aber was, wenn ich versage? Ach, „just do it!“ Ich habe bisher schließlich fast alles geschafft.“

 

TYP 6 („Der Loyale“)

„Ich habe diese Selbständigkeit lange geplant. Ich habe alles bedacht, was passieren könnte. Auch die Worst Case Szenarios bin ich im Kopf durchgegangen. Ich denke, jetzt bin ich auf fast alles vorbereitet. Das gibt mir Sicherheit. Worauf ich mich freue, ist, nicht mehr für ein ganzes Team verantwortlich zu sein, sondern „nur noch“ für mich selbst. Das ist schon Verantwortung genug. Dass ich jetzt nicht mehr für so viele Menschen um mich herum mitdenken muss – das ist eine enorme Erleichterung.“

 

TYP 9 („Der Vermittler“)

„Es fällt mir schwer, mein Team zu verlassen. Ich habe meine Kündigung wochenlang – nein, monatelang – mit mir herumgeschleppt, weil ich mich nicht getraut habe, sie meinem Chef zu geben. Wir haben uns immer so gut verstanden. Aber jetzt bin ich sehr erleichtert, dass ich es endlich gemacht habe. Er hatte glücklicherweise Verständnis… Alle fragen mich jetzt, was ich genau machen will. Dieses Festlegen fällt mir bisher noch schwer. Aber es wird schon werden.“

 

Vielleicht kommt Euch der eine oder andere Monolog in Ansätzen bekannt vor? Habt Ihr hier oder da schmunzeln müssen?

 

Was uns motiviert, kann uns auch limitieren.

Als ich zum ersten Mal Texte über „meinen“ Enneagramm-Typ las, musste ich schmunzeln und wurde gleichzeitig sehr nachdenklich. Denn obwohl alle Typen im Enneagramm ganz offensichtliche Stärken haben, ist die Gefahr enorm groß, dass wir bei wichtigen Entscheidungen den automatisierten Strukturen in uns zu viel Macht einräumen. Wir entscheiden uns dann für das Logische und Vertraute, anstatt wirklich dahinter zu gucken.

Der (Lebens-) Wandel mag dann groß sein, wir verlassen das Hamsterrad und sind vielleicht auch wieder erfolgreich, aber am Ende des Tages sind wir nicht zufriedener als wir es vorher waren. Wir landen auf Kurz oder Lang in denselben Mustern und Sackgassen.

Ob Perfektionismus, Ehrgeiz, Verantwortungsgefühl oder Harmonie-Bedürfnis – als „Antreiber“ haben sie alle ihre Licht- aber auch ihre Schattenseiten. Und erst, wenn wir schonungslos hingucken, unsere Motive mit Licht- und Schattenseiten erkennen, haben wir die Chance, etwas WIRKLICH anders zu machen.

Dann erreichen wir nicht nur unsere Ziele, sondern erlangen damit auch Zufriedenheit.

Deswegen mein Rat an Dich, wenn Du planst, Dich selbständig zu machen oder schon auf dem Weg bist: Nimm Dir Zeit für diese Fragen!

Was motiviert DICH? Was möchtest DU mit diesem Schritt erreichen? Was ist für DICH eine „erfolgreiche“ Selbständigkeit? Welche Parameter sind DIR wichtig? Warum hast Du DIESE Ziele?

 

Ich bin gespannt auf Deine ganz persönlichen Antworten…

 

Über Anke Fehring

Anke Fehring

 

ANKE FEHRING coacht Menschen im beruflichen wie im privaten Kontext. In ihrem Blog mit dem Titel WORAUF WARTEN WIR? widmet sie sich v.a. den Themen Motivation, Zieldefinition und Zielerreichung. In Einzel-Coachings und Workshops gibt sie außerdem Einblicke in das ENNEAGRAMM und führt Typologisierungs-Gespräche durch: coaching@ankefehring.com / www.woraufwartenwir.com

Ich freue mich über deine Meinung!